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Teil 1: Die Anfangsepoche (1920 bis 1945)
Als Gründungsdatum - und das ist kein Aprilscherz - wurde in den historischen Unterlagen der 1. April 1920 erwähnt. Erste Vereinsmitglieder in verantwortlichen Positionen waren damals Carl Dencher (1. Vorsitzender) und Karl Brummer (Kassen- und Schriftwart). Spieltag war damals der Dienstagabend ab 20:00 Uhr in der Gastwirtschaft „Hoffnung“. Zum Zeitpunkt der Gründung zahlte man immerhin 22 Mitglieder, doch diese Anzahl reduzierte sich schon bald.
Noch im August 1920 wurde das erste Vereinsturnier gestartet, das souverän von Herrn Müller mit 19 Punkten aus 20 Spielen gewonnen wurde. Vizevereinsmeister wurde Herr Dencher mit 16½ Punkten vor Herrn Brodhun, der es auf 14½ Punkte brachte. Insgesamt nahmen elf Spieler an dieser doppelrundigen Vereinsmeisterschaft teil.
Anfang der zwanziger Jahre entwickelten sich bei der Schachgesellschaft Glückstadt regelmäßige Spielabende und so kam es (nach den Aufzeichnungen zu urteilen) im Jahre 1923 zum ersten Vergleichskampf mit Spielern eines anderen Vereins: Die Schachgesellschaft Glückstadt konnte einen Vergleich gegen die Schachspieler des neugegründeten Itzehoer SV von 1923 knapp mit zwei Punkten Vorsprung gewinnen. An wievielen Brettern dieser Vergleich stattfand, ist allerdings nicht in den Aufzeichnungen der Schachgesellschaft erwähnt worden. Es war aber zu entnehmen, dass in den folgenden Zeiten zumeist die Kreisstädter die Vergleichskampfe für sich entscheiden konnten.
Die Mitgliedschaft der SG Glückstadt zum „Niederelbischen Schachbund“ ermöglichte den Glückstädtern auch, an weiteren Turnieren teilzunehmen. Eine Auflistung von Teilnahmen an Turnieren fehlte hier aber ebenso.
Im Jahre 1926 gab es in der „Hoffnung“ einen Vergleichskampf zwischen Glückstadt und dem damals noch autonomen Altona. Dieser Wettkampf wurde doppelrundig gespielt und zur Überraschung aller Teilnehmer mit 12½:7½ von der Schachgesellschaft gewonnen. Zeitungsberichten war zu entnehmen, dass dieser Vergleich allen teilnehmenden Spielern viel Spaß bereitet hatte und seinen Abschluss in einem Rundgang durch Glückstadt mit anschließendem Kirchenbesuch und Orgelvorträgen fand.
Am Sonntag, den 4. September 1927 kam es zum ersten Vergleichskampf zwischen der Schachgesellschaft Glückstadt und dem Schachklub Brunsbüttel, dem noch eine große Anzahl anderer Vergleichskampfe mit Beteiligung beider Vereine folgen sollte! Das Treffen fand auf Einladung des Schachklubs Brunsbüttel im Kaiserhof in Brunsbüttelkoog statt. Es wurde doppelrundig an zwölf Brettern gespielt und dieser Mannschaftskampf verlief so spannend, dass erst nach Beendigung der allerletzten Partie ein äußerst knapper 12½:11½-Gesamterfolg für die Steinburger Gäste feststand! Daraufhin hieß es im 0-Ton einer Brunsbütteler Zeitung bald wie folgt: „Brunsbüttel, das erst vor kurzem Heide besiegte, hat schon für den Herbst eine „Vergeltungsfahrt“ nach Glückstadt angemeldet.“
Tatsächlich fand der „Rückkampf“ dann aber erst am Sonntag, den 12. Februar 1928 in der „Hoffnung“ statt. Gehandicapt ohne die zwei stärksten Schachgesellschaftler ging dieser Kampf dann auch mit 9½:12½ verloren, wobei es zwischenzeitlich sogar noch nach einem weitaus schlimmeren Resultat aussah.
Etwas später (Karfreitag 1928) kam es dann erneut zu einem Vergleichskampf zwischen dem Itzehoer Schachverein und der SG Glückstadt. Erstmals nach 1923 konnten die Glückstädter endlich mal wieder einen Kreisvergleich zu ihren Gunsten entscheiden, wobei das Endergebnis mit 9½:8½ denkbar knapp ausfiel.
Im Jahre 1929 wurde Carl Dencher nach neunjähriger Amtszeit als 1. Vorsitzender vom bisherigen Kassenwart Karl Brummer abgelöst, der sein Kassenwart-Amt an Herrn Grundmann übergab.
Im Oktober 1929 kam es zu einem erneuten Match zwischen Glückstadt und Brunsbüttel. Dieser Vergleich endete Unentschieden. Auch in den nächsten Jahren gab es wiederholt Vergleichskämpfe zwischen den mittlerweile befreundeten Schachfreunden aus Brunsbüttel und Glückstadt, wobei sich häufig die Überlegenheit der Schleusenstädter zeigte. Im Oktober 1931 schrieb man bereits über den sechsten Vergleich beider Vereine. 1931 gelang sogar ein überraschendes Gesamtremis, aber ansonsten war Brunsbüttel stets überlegen. Sogar im Verbund mit Heide bzw. Itzehoe konnten die Brunsbütteler nicht besiegt werden, sondern es gab stets Niederlagen in diesen doppelrundigen Wettkämpfen.
Im Januar 1933 kam es dann zur nationalsozialistischen Machtergreifung, was auch zur Folge hatte, dass die SG Glückstadt gleichgeschaltet und dem Großdeutschen Schachbund (GSB) angeschlossen wurde. Zunächst fanden weiterhin Turnierreisen nach Brunsbüttel oder Itzehoe statt, doch schon bald (1934) stagnierte das Vereinsleben der Schachgesellschaft Glückstadt. Nach mehreren Unregelmäßigkeiten übernahm im Jahre 1936 Herr Offen das Amt des 1. Vereinsvorsitzenden. Interessanterweise war Herr Offen auch Ehrenmitglied des Brunsbütteler SK. Die Schachgesellschaft stand zu diesem Zeitpunkt vor einer äußerst prekären Situation, da es mittlerweile nur noch zehn Vereinsmitglieder gab. Um den Schachbetrieb in Glückstadt wieder erfolgreich gestalten zu können, schrieb Herr Offen den Schachleiter des Gau Dithmarschen, Herrn Rechtsanwalt Bohn, mit der Bitte um eine Simultanveranstaltung an. Tatsächlich fand daraufhin am Freitag, den 14. Februar 1936 dann diese Simultanveranstaltung an 17 Brettern in Glückstadt statt. Herr Bohn gewann 13mal, remisierte einmal und verlor drei Partien. Auch der Vereinsabend der SG Glückstadt wurde wieder etwas lebhafter. In den Unterlagen dieser Zeit wurde sogar von einem Vereinsvergleich zwischen dem Itzehoer SV und der SG Glückstadt berichtet. Hier hieß es, dass dieses Match mit dem geradezu jammervollen Ergebnis von 3:15 aus Glückstädter Sicht endete. Weiter hieß es, dass man unter diesen Umständen von Glück sagen kann, von den Mannschaftswettbewerben der Gauvereine ausgeschlossen zu sein, weil sich die SG Glückstadt Anfang 1936 nicht an der Gau-Schachtagung in Heide beteiligt hatte!
Noch im Sommer 1936 (am 7. August) kam es zu einem erneuten Vergleich zwischen Itzehoe und Glückstadt. Nach den Erfahrungen des Vorkampfes vom 23. Februar 1936 hegte man auf Glückstädter Seite keine großen Erwartungen, zumal die Itzehoer mit ihren Spitzenspielern Rockrohr und Fresener antraten. Diese beiden Spieler hatten auf Itzehoer Seite im Februar 1936 noch gefehlt. Sehr überraschend gewann dann aber die Schachgesellschaft deutlich mit 12:6 diesen doppelrundigen Wettkampf gegen die Kreisstädter. Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet! Vor allem die hinteren Bretter Ziesche, Matys und Lütje legten mit jeweils 2:0-Punkten die Basis für diesen überraschenden Erfolg! Ebenfalls im August 1936 wurde ein Vereinsturnier begonnen, das aber nie beendet werden konnte, da schon bald wieder die Teilnehmerzahlen an den Vereinsabenden rapide absanken. So musste festgestellt werden, dass die SG Glückstadt im Januar 1937 nur 14 Mitglieder aufwies.
Kurios war auch ein Protestfall. Hierzu kam es, weil der in Glückstadt wohnhafte und arbeitende Johannes Eberlin aus der Schachgesellschaft austrat und dem Itzehoer Schachverein beitrat! Da eine grundsätzliche Regelung für einen solchen damaligen Fall à la Eberlin nicht existierte, aber von der Schachgesellschaft gewünscht wurde, wurde die Weitergabe der Angelegenheit an den Landesturnierleiter erbeten. Was sich dann genauer abspielte, ist nicht mehr nachvollziehbar, Fakt ist aber tatsächlich, dass Eberlin kurze Zeit später wieder für die SG Glückstadt spielte.
1937 nahm die SG Glückstadt aus Anlass des vierten Gau-Geburtstages auch an einem Mannschaftswettbewerb teil. Hier wurde ein dritte Platz erreicht. Sieger wurde der Itzehoer SV vor den brettpunktgleichen Brunsbüttelern dank eines 4½:3½-Erfolges im direkten Vergleich. Abgeschlagener Vierter wurde der Heider SV. Im Namen der Schachgesellschaft spielten u. a. die Herrn Matys und Offen mit.
1938 konnte dann endlich mal wieder eine Vereinsmeisterschaft beendet werden. Herr Matys wurde Vereinsmeister und bekam als Preis ein Bild überreicht. In der zweiten Gruppe siegte Herr Janle, der als Preis ein Buch mit dem Titel „Endziele“ erhielt. Hier zeigte sich, wie sehr sich die Nationalsozialisten und der Großdeutsche Schachbund (GSB) bemühten, das Spiel Schach als Kampfspiel mit den „deutschen Tugenden“ Mut und Disziplin für ihre fatalen verheerende Ziele zu instrumentalisieren bzw. zu missbrauchen. Doch schon in der zweiten Hälfte des Jahres 1938 sank die Teilnahmebereitschaft an den Vereinsabenden wieder enorm und durch Ausbruch des Krieges 1939 erlahmte das Vereinsleben vollständig, so dass es nun bis 1945 keinen Spielbetrieb mehr gab. Das Schachmaterial der SG Glückstadt wurde daraufhin den Verletzten in den Lazaretten zur Beschäftigung zur Verfügung gestellt.
Wie es mit der SG Glückstadt nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges weiterging, ist im zweiten Teil der Schachgesellschaft-Chronik nachzulesen.
Zum Abschluss noch eine Auflistung der Vereinsvorsitzenden und Vereinsmeister der ersten Epoche:
Vereinsvorsitzende der SG Glückstadt 1920-29 Carl Dencher 1929-32 Karl Brummer 1932-33 Emil Grundmann (kommissarisch) 1933-34 Albert Reinhardt 1934-35 Herr Hagemann 1936-39 Heinrich Offen
Vereinsmeister der SG Glückstadt 1920/21 Emil Müller 1921/22 Emil Müller 1923-29 keine Angaben 1930/31 Waldemar Bornholdt 1932 Albert Reinhardt 1933-35 Waldemar Bornholdt 1936 Johannes Eberlin 1937 Alfons Matys 1938-45 keine Austragung der VM
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