Schachgesellschaft Glückstadt von 1920 e. V.

Chronik Teil 2

Teil 2: Der Neubeginn (1946 bis 1952)

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges konnte der Spielbetrieb bei der „wiederbelebten“ SG Glückstadt erst im Mai 1946 wieder aufgenommen werden. Im Oktober 1946 wurde eine Versammlung abgehalten, auf der Heinrich Offen als 1. Vorsitzender (wieder-)gewählt wurde. Johannes Eberlin wurde Schachwart, während Alfons Matys als Kassenwart gewählt wurde. Zudem wurde die Austragung einer Vereinsmeisterschaft in zwei Gruppen beschlossen.

Doch zunächst hatte die Schachgesellschaft mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. In Originalaufzeichnungen hieß es hierzu: „Leider war das Vereinslokal während des Winters ungeheizt. Darunter litt der Besuch. Später wurde der Strom gespart und dadurch der Spielbetrieb für längere Zeit unterbrochen. Da man in der „Hoffnung“ trotz des wieder brennenden Lichtes keine Anstalten machte, uns wieder aufzunehmen und wir uns dort auch nie recht wohlgefühlt haben, wechselten wir kurzentschlossen das Lokal und siedelten zu Schäfisch in die Große Kremper Straße. Wir hatten den Wechsel nicht zu bereuen: Der Wirt ist in jeder Weise entgegenkommend, das Lokal geheizt und gemütlich; der Spielbetrieb erfuhr einen merklichen Aufschwung, so dass wir nicht genug Spiele hatten.“

Am 3. Mai 1947 kam es dann endlich zum ersten Nachkriegswettkampf mit einem anderen Verein: Mit 15 Schachgesellschaftlern ging es auf die Reise nach Itzehoe, wo es gegen den Itzehoer SV eine betrübliche 6½:23½-Niederlage in einem doppelrundigen Vergleichskampf gab. Einen positiven Score konnten auf Glückstädter Seite nur die Spieler Fräkner (2:0) und Baldur (1½:½) erzielen. Die Itzehoer mit ihren Spitzenspielern Jahn, Rockrohr, Fresener und Bötticher waren einfach zu stark.

Nur zwei Tage später (am 5. Mai 1947) kam der Elmshorner SC zu einem einrundigen Wettkampf an die Elbe. An 21 Brettern (!) gab es aus Glückstädter Sicht eine 7½:13½-Niederlage. An Brett 1 der Schachgesellschaft spielte Viktor Nawesnik, der in Itzehoe noch fehlte. Für die SG Glückstadt gewannen Glindmeier (Brett 3), Offen (Brett 7), Fräkner (Brett 11), Lohse (Brett 12), Baldur (Brett 14), Tiegs (Brett 19) und Ziesche (Brett 21). Zudem gelang Herrn Sokoll ein Remis an Brett 10. Insgesamt waren die Elmshorner aber vor allem an den ersten zehn Brettern deutlich überlegen, was letztendlich auch den Ausschlag für die Glückstädter Niederlage gab.

Am Himmelfahrtstag (15. Mai 1947) fuhren die Schachgesellschaftler dann nach Freiburg/Elbe, um gegen den dortigen Schachverein zu spielen. Der Wettkampf wurde doppelrundig an zehn Brettern gespielt und endete mit einem 13½:6½-Erfolg der Glückstädter. Diesen Erfolg hatte die Schachgesellschaft vor allem der Ausbeute an den hinteren Brettern zu verdanken, denn aus zwölf Partien wurden hier zehneinhalb Punkte erreicht.

Am 6. Juni 1947 besuchte der Lägerdorfer Schachverein die SG Glückstadt mit dermaßen vielen Spielern, dass nicht jeder Gast einen Gegner bekommen konnte!!! Der doppelrundige Vergleich wurde mit 33½:6½ sehr deutlich von Glückstadt gewonnen.

Bei strahlendem Sommerwetter stand am 29. Juni 1947 eine Fahrt nach Brunsbüttelkoog an. Dieser doppelrundige Vergleich wurde deutlich mit 12½:21½ verloren. Erfolgreichste Spieler waren mit jeweils zwei Punkten aus zwei Spielen die Schachgesellschaftler Fräkner, Pape und Lehrke.

Nur drei Monate nach dem letzten Vergleich mit dem Elmshorner SC kam es am 13. August 1947 zu einem erneuten Aufeinandertreffen beider Vereine. Diesmal wurde der Vergleich einrundig an 24 Brettern (!) gespielt und mit 15:9 von den Elmshornern gewonnen. Die beiden Glückstädter Spitzen Waldemar Bornholdt und Viktor Nawesnik konnten aber ihre Partien gegen die Elmshorner Widersacher Scheffler und Schlüter gewinnen. Danach (ab Brett 3) kam allerdings der große Einbruch und die nächste Glückstädter Gewinnpartie war erst wieder an Brett 12 durch Grotgar zu vermelden.

Schon am 15. August 1947 kam es zu einem doppelrundigen Vergleich an 18 Brettern gegen den Itzehoer SV. Die Itzehoer gewannen mit 20½:15½. Vor allem die Itzehoer Spitze Jahn, Rockrohr und Fresener (insgesamt 5½ aus 6) wusste zu überzeugen, während die Schachgesellschaft an den hinteren Brettern leichte Vorteile in der Punktausbeute hatte.

Zwei Wochen später siegte die Schachgesellschaft Glückstadt zuhause in einem doppelrundigen Vergleich überraschend gegen den Brunsbütteler SK mit 15½:14½. Hierbei erwiesen sich (mal wieder und wie schon gewohnt) die Spieler Fräkner, Pape und Baldur sowie auch Raeder mit jeweils 100%-Punktausbeute als besonders erfolgreich.

Am Sonntag, den 4. Oktober 1947 stand dann das nächste Freundschaftsspiel auf dem Programm: In Elmshorn fand die Begegnung gegen den Schachverein „Unter Uns“ aus Hamburg statt. Das Mixteam aus Elmshorn und Glückstadt erreichte eine 6½:11½-Niederlage, wobei eindeutig erwähnt wurde, dass die Hamburger Mannschaft nicht allzu stark und somit für das Mixteam „glücklich“ kombiniert wurde (Der Verein „Unter Uns“ zählte damals angeblich 150 (!) Mitglieder). Nur daher konnte das Endergebnis erträglich gestaltet werden!

Am Mittwoch, den 15. Oktober 1947 wurde die Jahreshauptversammlung der Schachgesellschaft abgehalten. Laut Unterlagen war sie nur schwach besucht. Der 1. Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, aus dem hervorzuheben war, dass insgesamt neun Wettkämpfe mit auswärtigen Vereinen veranstaltet wurden. Die erfolgreichsten Punktesammler auf Glückstädter Seite waren Fräkner, Baldur, Sokoll, Lohse, Pape und Matys.

Nach diversen Berichten standen Neuwahlen des Vorstandes an. Der gesamte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Für die finanziellen Belange wurde bestimmt, dass in der Zukunft alle Fahrtkosten aus der Vereinskasse bezahlt werden sollten und dies gleichzeitig eine Erhöhung des monatlichen Vereinsbeitrages auf 1½0 Reichsmark erfordere. Jugendliche und Erwerbslose sollten die Hälfte des Regelbeitrags zahlen und bei Schwierigkeiten betr. Beitragszahlung sollte in Zukunft großzügig verfahren werden. Vereinsausschlüsse standen hier zu keiner Zeit zur Debatte und stellten zudem keine zufriedenstellende Lösung dar!

1948 begann eine Mammutvereinsmeisterschaft mit über 40 zu spielenden Runden, die natürlich erst im Jahre 1949 beendet werden konnte.

Auf der Jahreshauptversammlung der SG Glückstadt vom 18. Januar 1949 wurde u. a. der gesamte Vorstand wiedergewählt und es wurde erwähnt, dass 1948 in Vergleichskämpfen die Vereine „Unter Uns“ Hamburg (8:6) und der Elmshorner Schachclub (9:8) besiegt werden konnten! Beim Spiel gegen die Elmshorner ist noch erwähnenswert, dass der erst 19jährige Pfaue die Elmshorner Spitze Schädlich besiegen konnte. Überhaupt schaffte es die Schachgesellschaft (im Gegensatz zu früheren Vergleichen mit dem ESC), an den ersten drei Brettern 100% zu erreichen. An Brett 3 konnte sich übrigens der frische Kreis-Jugend-Meister Lehrke durchsetzen. Die absolvierte Mammutvereinsmeisterschaft 1948/49 fand in den punktgleichen Josef Poschmann und Harri Tiegs ihre erfolgreichsten Spieler. Beide erreichten einen Score von + 25 (!). Da Poschmann gegen Tiegs im direkten Vergleich gewann, wurde ihm somit der Vereinsmeistertitel zuerkannt. Auf Platz 3 mit großem Vorsprung vor dem Rest des Mittelfeldes landete Johannes Eberlin mit einem Score von immerhin auch noch sehr guten +24. Im weiteren Verfolgerfeld fanden sich u. a. die Spieler Braun und Glindmeier. Aber auch sonst gab es 1949 noch regen Spielbetrieb: So gab es in einem Vergleichskampf mit dem Schachverein Krempe einen deutlichen 7:1-Erfolg, während die fast schon obligatorische Vergleichskampfniederlage gegen den Itzehoer SV natürlich nicht fehlen durfte! Im Herbst 1949 gab es dann auch noch einen Rückkampf gegen den SC Elmshorn, der diesmal mit 11½:7½ recht sicher gewonnen werden konnte. Erstaunlich war hierbei, dass auch diesmal die Elbstädter an den ersten drei Brettern 100% erreichten und das, obwohl der mehrfache Glückstädter Vereinsmeister Waldemar Bornholdt fehlte. In diesem Vergleich holte die Schachgesellschaft an den ersten sechs Brettern fünf Punkte, was für das klare Endergebnis wohl entscheidend war.

Die SG Glückstadt also auf bestem Wege und Poschmann zudem Dritter im Bezirk-Einzel!

1950 gab es deutliche Vergleichsniederlagen gegen die Schachnachbarn aus Elmshorn (6½:11½) und Itzehoe (5½ :10½). Beim Wettkampf vom 12. Februar 1950 gegen die Steinburger Kreisstädter ist allerdings erwähnenswert, dass der junge Glückstädter Johannes Pfaue den routinierten Itzehoer Spitzenspieler Schmüser besiegen konnte. Überhaupt scheint 1950 ein sehr gelungenes Jahr für Pfaue gewesen zu sein, denn er wurde sowohl Glückstädter Vereinsmeister als auch Dritter bei der Landeseinzelmeisterschaft! Dort erreichte er mit sechs Siegen und fünf Remisen bei nur einer Niederlage (gegen den Plöner Prof. Richter) achteinhalb Punkte aus zwölf Runden.

Aber auch sonst zeigten die Glückstädter, dass mit ihnen stets zu rechnen war. So schaffte der ebenfalls junge Glückstädter Lehrke bei der Vereinsmeisterschaft hinter Pfaue den zweiten Platz vor so routinierten Spielern wie Viktor Nawesnik und Josef Poschmann. Zudem wurde Lehrke bei der Bezirkseinzelmeisterschaft hinter dem Itzehoer Bötticher Zweiter und er erwarb somit auch gleichzeitig das Recht zur Teilnahme an der Landeseinzelmeisterschaft!

Bei den Mannschaftswettbewerben wusste die Schachgesellschaft ebenfalls zu überzeugen. So wurde das Team SG Glückstadt II nach einem 5:3-Erfolg gegen den SV Lägerdorf noch vor dem Team Itzehoer SV II Kreismeister in der B-Klasse. Damit sicherte sich das Team die Teilnahmeberechtigung an der Bezirksmannschaftsmeisterschaft der A-Klasse.

Auf der Jahreshauptversammlung 1950 wurde Heinrich Offen als 1. Vorsitzender mit klarer Mehrheit erneut wiedergewählt. Dies dürfte die erfreuliche Entwicklung bei der Schachgesellschaft bestätigt haben.

Auch 1951 wurde das Jahr des Johannes Pfaue: er verteidigte den Vereinsmeister-Titel. Doch die größte Sensation schaffte er bei der LEM 1951: hier erkämpfte er sich punktgleich mit den so starken und erfahrenen Schachspielern Friedrich Sämisch, Prof. Erik Richter und Karl-Heinz Henning den geteilten ersten Platz! Beim späteren Landesmeister-Stechen in Kiel konnte Johannes Pfaue dann zwar „nur“ Platz 4 erreichen, doch schon allein der Umstand, mit den Spielern Sämisch, Prof. Richter und Henning in einem Stichkampf-Turnier die Landesmeister-Krone von Schleswig-Holstein ausspielen zu können, war für ihn ein riesiger Erfolg! Landesmeister nach diesem Stechen wurde übrigens der Plöner Prof. Richter.

Aufgrund der gemachten Bekanntschaft mit Friedrich Sämisch gab dieser am 11. Juni 1951 eine Simultanveranstaltung an 22 Brettern in Glückstadt. Bei dieser Simultanveranstaltung agierte der Eckernförder GM Sämisch äußerst erfolgreich. Er verlor nur gegen Herrn Haack und remisierte gegen die Spieler Lehrke und Poschmann. Am selben Abend spielte GM Sämisch dann auch noch sechs Blindpartien gegen die stärksten Spieler der SG Glückstadt. Er gewann vier Partien, remisierte gegen Eberlin und verlor nur gegen Lehrke.

Überhaupt wusste auch Lehrke 1951 zu überzeugen: wie bereits im Vorjahr, wurde er Vize-Vereinsmeister hinter dem übermächtigen Johannes Pfaue. Die Vizemeisterschaft musste sich Lehrke allerdings mit dem punktgleichen Poschmann teilen. Auf Platz 4 der Vereinsmeisterschaft landete mit Herrn Mundt erfreulicherweise ein neues Mitglied der Schachgesellschaft Glückstadt.

Bei der Mannschaftsmeisterschaft 1951 teilte sich das Team SG Glückstadt I gemeinsam mit dem Schachverein Kellinghusen den zweiten Platz. Meister wurde das Team Itzehoer SV I. Im direkten Vergleich konnten die Itzehoer (wie fast gewöhnlich) gegen die Elbstädter deutlich (6:2) gewinnen, doch die Resultate der Glückstädter Spitzen waren wieder (wie fast schon gewohnt) erfreulich: Pfaue besiegte am Spitzenbrett den Itzehoer Jahn und Lehrke schaffte an Brett 2 ein Remis gegen den Itzehoer Schmüser.

Am 12. August 1951 kam es außerdem zu einem interessanten Kreisvergleich im Schach zwischen Dithmarschen und Steinburg. Dieser Wettkampf wurde leider vom Fehlen der Kellinghusener Spieler in St. Michaelisdonn beeinflusst. Dithmarschen siegte mit 5:3.

Dithmarscher Kreisauswahl

5:3

Steinburger Kreisauswahl

Müller (Brunsbüttel)

½:½

Pfaue (Glückstadt)

Madle (Meldorf)

 ½:½

Jahn (Itzehoe)

Zahnow (Brunsbüttel)

½:½

Lehrke (Glückstadt)

Mitzusis (Heide)

 ½:½

Schmüser (Itzehoe)

Röh (Heide)

1:0

Bötticher (Itzehoe)

Schäfer (Brunsbüttel)

1:0

Schönberger (Itzehoe)

Helbricht (Marne)

1:0

Eberlin (Glückstadt)

Andresen (Meldorf)

0:1

Wächter (Itzehoe)

Schachkreismeister 1951 von Steinburg wurde der Glückstädter Josef Poschmann, der unübertreffbare fünf Punkte aus fünf Spielen erreichte.

Auch im Jahr 1952 erreichten die Spieler der Schachgesellschaft einige Erfolge. So beherrschte das Team SG Glückstadt II erneut die B-Klasse und wurde Kreismeister dieser Klasse. Zudem besiegte man im Bezirksendspiel Dithmarschens B-Klassen-Meister SK St. Michaelisdonn deutlich mit 6½:1½ und wurde somit sogar Bezirksmeister der B-Klasse! Diese Deutlichkeit der Differenz zwischen den beiden B-Klassen-Siegern zeigte sich dann auch im Vergleichskampf zwischen Steinburg und Dithmarschen, der in Itzehoe ausgetragen und von den Steinburgern überdeutlich mit 31:17 gewonnen wurde. Dabei erzielten die Glückstädter an insgesamt zehn Brettern sieben Siege und zwei Unentschieden bei nur einer Niederlage. In der A-Klasse lief es für SG Glückstadt I hingegen nicht so erfolgreich. Hier wurde ein dritter Platz hinter Meister Itzehoer SV I und Vizemeister Kellinghusen belegt.

Bei der LEM 1952 in Friedrichstadt bei Husum erreichte Johannes Pfaue mit sieben Punkten und einen halben Zähler Rückstand auf GM Sämisch die Vizelandesmeisterschaft von Schleswig-Holstein! Mit diesem Erfolg bewies Pfaue erneut, dass er zu den besten und beständigsten Schachspielern Schleswig-Holsteins zählte und seine guten Plätze der Vorjahre keine glücklichen Einzelleistungen waren. Platz 3 ging an den Brunsbüttler Müller, der nur ein Jahr später (für St. Michaelisdonn) letztmaliger Landesmeister von der Westküste wurde.

Ende des Jahres 1952 überschlugen sich dann die Ereignisse: zunächst wechselte man im Oktober das Spiellokal. Fortan wurde wieder in der Gaststätte „Hoffnung“ gespielt. Außerdem blieb die Schachgesellschaft Glückstadt auch nicht vor personellen Veränderungen verschont, denn im Winter 1952/1953 verließen die Spieler Pfaue, Lehrke, Haack, Kletzin und Havemeister den Verein.

Wie sich die gravierenden Abgänge von Pfaue, Lehrke und Consorten auf die Entwicklung der Schachgesellschaft Glückstadt auswirkte, kann mit Spannung in Teil 3 der Schachgesellschaft-Chronik nachgelesen werden.

Zum Abschluss folgt noch eine statistische Auflistung der beschriebenen Zeitspanne:

Vereinsvorsitzende der SG Glückstadt
1946-52 Heinrich Offen

Vereinsmeister der SG Glückstadt
1946-48 Viktor Nawesnik
1948/49 Josef Poschmann
1950/51 Johannes Pfaue
1951/52 Johannes Pfau