Schachgesellschaft Glückstadt von 1920 e. V.

Chronik Teil 3

Teil 3: Die Ära nach Pfaue (1953 bis 1962)

Im Jahr 1953 stand die Schachgesellschaft vor der schwierigen Situation des Neubeginns. Und tatsächlich, der erste Vergleichskampf gegen den SC Elmshorn ging mit 6:8 verloren. Doch dann kam es in den Mannschaftskämpfen der Kreismeisterschaft zu einer Saison der Überraschungen: Trotz enormer Abgänge (Pfaue, Lehrke und Consorten) besiegte das erste Team der Schachgesellschaft die Teams Kellinghusen I (7:1) und Itzehoe I (5:3), während gegen Itzehoe II ein Unentschieden (4:4) das Endergebnis war. Die SG Glückstadt I wurde Kreismeister der A-Klasse. Damit ging der Kreismeistertitel der A-Klasse einmal wieder seit Jahren nicht nach Itzehoe. Im Endspiel um die Bezirksmeisterschaft wurde dann sogar noch der starke Dithmarschen-Meister SC Marne mit 4½:3½ besiegt. Dies konnte auch als Überraschung gewertet werden, weil der Marner SC in den drei Jahren zuvor immer Kreismeister von Dithmarschen werden konnte.

Das Team SG Glückstadt II konnte in der B-Klasse die Meisterschaft erreichen. Im Endspiel um die Bezirksmeisterschaft der B-Klasse kam es dann zum 4:4 zwischen Glückstadt II und Heide II. Daraufhin mussten sich Glückstadt II und Heide II den Bezirkstitel mit der fadenscheinigen Begründung teilen, dass die Fahrkosten für einen Wiederholungskampf zu teuer seien.

Beide Glückstädter Teams konnten also gute Leistungen aufzeigen. Spitzenspieler der ersten Spielsaison nach Pfaue war Herr Mundt jr., der u. a. den Itzehoer Spitzenspieler Jahn besiegen konnte! Die Vereinsmeisterschaft 1953 wurde von Josef Poschmann gewonnen. Er besiegte nach Punktgleichheit im Vereinsturnier Viktor Nawesnik im Stichkampf mit 3:1. Im weiteren Verfolgerfeld der Meisterschaft fanden sich u.a. die Spieler Mitternacht, Eberlin und Mundt. Herbert Mitternacht, im Vorjahr noch im B-Turnier der Vereinsmeisterschaft, sorgte fast für die Überraschung des Turniersieges, doch durch eine Schlussrunden-Niederlage vergab er noch den bereits sicher geglaubten Turniersieg. Die beiden erfolgreichsten Spieler des Vereinsturniers (Poschmann und Nawesnik) wurden auch vom Landesschachverband Schleswig-Holstein eingeladen, für das Schleswig-Holsteinische Auswahl-Team gegen Hamburg zu spielen. Ebenso spielten die Glückstädter Eberlin und Schwarz gemeinsam für die Schleswig-Holsteinische Bundesbahnauswahl in Garmisch-Partenkirchen mit. Sie belegten hier mit dem Team einen Platz im Mittelfeld.

Auch das Jahr 1954 lief für die Schachgesellschaft erfolgreich: erneut konnte das Team Glückstadt 1 die Kreismeisterschaft der A-Klasse gewinnen! Ein Kantersieg gegen Kellinghusen (7:1) und ein Unentschieden gegen Itzehoe 1 waren dafür ausreichend. Das Endspiel um die Bezirksmeisterschaft der A-Klasse gewann dann allerdings der Schachverein St. Michaelisdonn mit Landesmeister Rudolf Müller, der diesen Titel 1953 erreichte. In der B-Klasse 1954 brach das Team Itzehoer SV II die mehrjährige Dominanz von SG Glückstadt II und wurde Kreismeister.

Den traditionellen Kreisvergleich gewann Steinburg gegen Dithmarschen deutlich mit 16½:7½. Für den Länderkampf Schleswig-Holstein gegen Hamburg stellte die Schachgesellschaft Glückstadt gleich fünf (!) Spieler. Dies überraschte nach den Abgängen von Pfaue und Lehrke umso mehr und zeigte doch auf, welchen Stellenwert die Glückstädter Schachspieler auf der Landesebene genossen.

Auch auf Einzelebene blieben die Erfolge nicht aus: so wurde Mundt mit 4½ Punkten aus fünf Spielen Kreismeister von Steinburg vor dem Itzehoer Jahn. Auch der Glückstädter Poschmann wusste in diesem Wettbewerb zu gefallen und wurde Dritter. Die Vereinsmeisterschaft 1954 gewann Viktor Nawesnik. Überhaupt schienen die Glückstädter mit dem vereinsinternen Spielbetrieb zufrieden gewesen zu sein und so wurde der alte Vorstand um den 1. Vorsitzenden Heinrich Offen wiedergewählt.

Im Jahr 1955 nahm die Schachgesellschaft sogar an einem Fernschach-Mannschaftsturnier teil. In diesem Turnier konnten Teams aus Berlin, Herne, Groß-Bieberau und Bad Oeynhausen klar besiegt werden. Für Glückstadt spielten Nawesnik, Schwarz, Mundt, Poschmann, Eberlin und Mitternacht. Herbert Mitternacht erreichte dabei mit fünfeinhalb Punkten aus sechs Spielen das beste Ergebnis.

Die folgende Partie stammt aus diesem Fernschach-Mannschaftsturnier:

Poschmann - Dörr (Groß-Bieberau)
1.d4 d6 2.e4 Sf6 3.Sc3 Ld7 4.Sf3 Sc6 5.h3 g6 6.a3 Lg7 7.d5 Se5 8.Sh4 e6 9.g3 exd510.exd5 0-0 11.Le3 Sc4?? 12.Lxc4 De7 13.Lb5 Lxb5 14.Sxb5 1-0

Während es im Mannschafts-Fernschachturnier für die Schachgesellschaft recht gut lief, musste das Team SG Glückstadt I den Kreismeistertitel der A-Klasse wieder an den Favoriten Itzehoer SV zurückgeben. In dem doppelrundigen Wettbewerb wurde nur ein 4:4 und ein 2½:5½ erreicht.

Auch ein Eisenbahner-Wettkampf Glückstadt/Neumünster gegen Hamburg wurde mit 11:16 verloren. Immerhin erreichte ein kombiniertes Team Glückstadt/Hamburg in einem Vergleichskampf ein 12½:12½-Unentschieden gegen die Hansestadt Bremen.

Vereinsmeister 1955 wurde Herr Mundt jr. Mit dem vereinsinternen Spielbetrieb waren die Glückstädter zufrieden, was sich in der erneuten Wiederwahl des Vorstandes zeigte.

Im Jahre 1956 kam es bei der Schachgesellschaft zu einigen Veränderungen. So wurde neuerdings in den Räumlichkeiten von „Raumann“ gespielt. Zudem gab es ab 1956 einen neuen 1. Vorsitzenden: nach jahrelanger erfolgreicher Arbeit übergab Heinrich Offen sein Amt an Johannes Eberlin. Gleichzeitig wurde Herrn Offen für 30jährige Mitgliedschaft die Goldene Ehrennadel der Schachgesellschaft verliehen! Die Silberne Vereins-Ehrennadel erhielten für mehr als 20jahrige Mitgliedschaft die Schachfreunde Eberlin und Matys.

Vereinsmeister 1955/56 wurde der damals wohl stärkste Glückstädter, Herr Mundt jr. Er gewann das Turnier vor den erfahrenen Spielern Nawesnik und Poschmann. Herr Mundt jr. gewann außerdem auch das erste (überlieferte) Pokalturnier des Vereins! In den Mannschaftskämpfen zur Kreismeisterschaft lief es für das Team SG Glückstadt II sehr gut: nach Erfolgen über Lockstedt, Itzehoe II und Brunsbüttelkoog sicherten sie sich die Meisterschaft!

Ein besonderer Anlass des Jahres 1956 war auch die Teilnahme am Jubiläums-Vergleichskampf (10 Jahre Schachverein Kellinghusen) zwischen den Kreisen Steinburg und Dithmarschen. Dieses Event endete mit einem unglaublichen 23½:3½ für die Steinburger Schachspieler! Es zeigte sich deutlich, in welcher spielerischen Krise sich die Schachspieler des nördlichen Nachbarns befanden! Für Glückstadt nahmen an diesem Vergleichskampf Mundt jr. (Brett 2), der Jugendliche Helmut Appel (Brett 5) und Helmut Käpernick teil.

1957 hat die Schachgesellschaft mit Mitgliederschwund (nur noch 18 Mitglieder) zu kämpfen, weshalb der Spielabend auf Freitag verlegt wurde. Der Vereinsvorsitzende blieb weiterhin Eberlin.

Bei der Kreismeisterschaft 1957 war erneut das Team Itzehoer SV I das herausragende Team. Die Schachgesellschaft verlor beide Vergleiche (1½:6½ und 3:5) gegen die Kreisstädter.

Am 2. Juni 1957 kam es zum erneuten Kreisvergleich zwischen Steinburg und Dithmarschen, der von den Steinburgern erneut gewonnen wurde. Das Ergebnis war diesmal mit 13½:6½ für die Dithmarscher aber wesentlich ertragbarer. In diesem Vergleich spielte Mundt jr. an Brett 1 Remis gegen den Meldorfer Madle.

1958 erreichte SG Glückstadt II wieder die Kreismeisterschaft der B-Klasse. Das Team beendete die Kreismeisterschaft ohne Niederlage vor den Teams aus Kellinghusen, Kollmar und Hohenlockstedt. Mit einem 6:2-Erfolg gegen Brunsbüttelkoog wurde dann im Bezirksendspiel sogar noch der Bezirks-Meistertitel der B-KIasse errungen! Wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hatte Helmut Käpernick, der sensationelle neuneinhalb Punkte aus zehn Spielen erreichte!

Bei einem Vergleichskampf im November 1958 verlor die SG Glückstadt gegen eine Neumünster-Auswahl an elf Brettern mit 4½:6½. Beachtenswert war aber, dass Johannes Eberlin an Brett 1 immerhin ein Remis gegen Hans Kordts (Landesmeister von 1956) schaffte!

Helmut Appel belegte bei der Jugend-Landesmeisterschaft mit vier Punkten aus neun Runden den 14. Platz von 25 Teilnehmern. Platz 1 mit jeweils sieben Punkten teilten sich der Lübecker Oehlenschläger und der Rendsburger Kock.

Ende der 50er Jahre (1959) schaffte das Team SG Glückstadt I endlich wieder die Kreismeisterschaft in der A-Klasse und gewann sogar das Bezirksendspiel gegen den Dithmarschen-Vertreter Brunsbüttel mit 4½:3½.

Im November 1959 verlor Glückstadt einen Freundschaftskampf gegen die Eisenbahn-Schachgruppe aus Neumünster. Das Match fand am 18. November 1959 in „Raumanns Gasthof“ statt und wurde von den Neumünsteranern mit 8:4 gewonnen.

Der größte Erfolg auf Einzelebene gelang dem kriegsgeschädigten Glückstädter Herbert Richard, der in Kiel Norddeutscher Blindenschach-Meister 1959 wurde.

Vereinsmeister 1959 wurde mit 14 Punkten aus 16 Runden Johannes Eberlin, der knapp vor Heinrich Reimers (13½ Punkte) und deutlich vor Matys (11 Punkte) durchs Ziel ging.

Die 60er Jahre begannen damit, dass Alfons Matys auf der Jahreshauptversammlung der Schachgesellschaft die Vereinsnadel in Gold verliehen wurde, während Herr Glindmeier für 20jährige Mitgliedschaft die Vereinsnadel in Silber verliehen bekam. An diesem 8. April 1960 wurde außerdem der Vorstand einstimmig wiedergewählt. Ein Kuriosum war auch, dass für das Jahr 1960 kein Vereinsmeister ermittelt werden konnte.

Bei der Kreismeisterschaft 1961 siegte diesmal überraschend der Itzehoer SV vor der SG Glückstadt. Überraschend deshalb, weil der eigentliche Favorit Uetersener SK (letztes Jahr noch Bezirksmeister und in der Endrunde um die Landes-Mannschaftsmeisterschaft!) sich diesmal nicht durchsetzen konnte. Dies lag zum Teil auch an der Mannschaftsniederlage gegen die SG Glückstadt! Im Mannschaftsspiel gegen die Uetersener erreichten die Glückstädter an den ersten vier Brettern drei Punkte, was sicherlich für den knappen 4½:3½-Erfolg ausschlaggebend war. Außerdem besiegte die Schachgesellschaft die Teams aus Hohenlockstedt und Kollmar, ehe es gegen den Itzehoer SV eine deutliche Niederlage gab.

Am Bußtag 1961 stand dann mittlerweile schon fast traditionsgemäß der Freundschaftskampf gegen eine Neumünster-Auswahl auf dem Programm. Diesmal fand das Spiel in Neumünster statt und an neun Brettern siegte die SG Glückstadt überraschend deutlich mit 7:2.

Dieser Erfolg mag auch daran gelegen haben, dass die Glückstädter vielleicht gut im Training und in Form waren, denn einen Monat zuvor gab es nach der Jahreshauptversammlung des Schachbezirk West in Meldorf den Kreisvergleich zwischen Dithmarschen und Steinburg, der diesmal an 25 Brettern denkbar knapp mit 13:12 von den Steinburgern gewonnen wurde. Die nächste Jahreshauptversammlung des Schachbezirk West, verbunden mit dem nächsten Kreisvergleich, wurde für den Mai 1962 übrigens der Schachgesellschaft Glückstadt zugesprochen.

Vereinsvorsitzender bleibt weiterhin Johannes Eberlin.

Auf der Jahreshauptversammlung vom 9. Februar 1962 wurde eine Gedenkminute für den verstorbenen Schachfreund Viktor Nawesnik abgehalten. Außerdem kam es zur Wiederwahl des alten Vorstandes und zur Verleihung von Vereinsnadeln: Johannes Eberlin erhielt die Vereinsnadel in Gold, während Heinrich Früchtenicht die Silberne Vereinsnadel verliehen bekam.

Vereinsmeister 1961/62 wurde Heinrich Reimers mit neun Punkten vor Josef Poschmann, der acht Punkte erreichte. Im weiteren Verfolgerfeld fanden sich die Spieler Eberlin, Früchtenicht und Richard (allesamt mit sechseinhalb Punkten). Vereins-Pokalsieger wurde Josef Poschmann. Er besiegte im Endspiel Heinrich Reimers. Damit gab es im Pokal also den umgekehrten Einlauf. Im Trost-KO siegte Kurt Kiekbusch gegen Wilhelm Wünschenmeyer. Herr Poschmann wurde als Pokalsieger geehrt und bekam als Preis eine wertvolle Schachplakette verliehen, während die Spieler Reimers, Kiekbusch und Wünschenmeyer jeweils ein Schachbuch als Preis erhielten. Vereinsblitzmeister wurde ebenfalls Poschmann (vor Kiekbusch und Matys), der somit ein äußerst erfolgreiches Schachjahr krönte.

Die Kreismeisterschaft lief für SG Glückstadt I mehr schlecht als recht. U.a. gab es eine fürchterliche 1:7-Schlappe gegen den Rivalen aus der Kreisstadt. Beim diesjährigen Kreisvergleich zwischen Steinburg und Dithmarschen (im Rahmen des Bezirkstages in Glückstadt) lief es für die Schachgesellschaftler schon wesentlich erfreulicher: sie steuerten aus fünf Spielen immerhin dreieinhalb Punkte zum 16:6-Erfolg der Steinburger bei.

Auch im Oktober 1962 gab es noch vereinsintern regen Spielbetrieb. So spielte der Hamburger Bruno Wulkau simultan an 15 Brettern in Glückstadt. Die Spieler Kiekbusch, Matys und Früchtenicht gewannen ihre Partien, während Kranz ein Remis erreichte. Der Rest der Schachgesellschaftler verlor.

Zwei Wochen später nahmen zwei Glückstädter Teams am Pinneberger Rosenpokal teil. Während das Team SG Glückstadt I in der Besetzung Glindmeier, Poschmann, Matys und Eberlin in Gruppe A Platz 3 erreichte, gewann das Team SG Glückstadt II in der B-Gruppe! Für die zweite Mannschaft spielten Kiekbusch, Valentik, Schacht und Kunzig. Besonders Kiekbusch wusste mit insgesamt zwölf Punkten aus 15 Runden zu gefallen! Er wurde damit bester Einzelspieler und erhielt als Preis dafür eine Flasche Likör! Damit zeigte sich, dass es der Schachgesellschaft in den 50er Jahren tatsächlich gelungen war, wider allen Erwartungen Erfolge zu erzielen. Doch nun erschien es äußerst fraglich, ob die Schachgesellschaft die prekäre Situation meistern wurde, mit nur noch zwölf Vereinsmitgliedern zu bestehen!

Wie oder bzw. ob es überhaupt mit nur noch zwölf Mitgliedern weiterging, ist im vierten Teil der SG Glückstadt-Chronologie („The Wild Sixties“) nachzulesen.

Zum Abschluss nur noch die gewohnte statistische Aufzählung:

Vereinsvorsitzende der SG Glückstadt
1953-56 Heinrich Offen
1956-62 Johannes Eberlin

Vereinsmeister der SG Glückstadt
1953 Josef Poschmann
1954 Viktor Nawesnik
1955 Erich Mundt jun.
1956/57 Erich Mundt jun.
1958/59 Johannes Eberlin
1960 keine Austragung
1961/62 Heinrich Reimers

Erfolge auf der Mannschaftsebene
1953 Glückstadt I und II Bezirksmeister der A- und B-Klasse
1954 Glückstadt I Kreismeister A-Klasse
1956 Glückstadt II Kreismeister B-Klasse
1958 Glückstadt II Bezirksmeister B-Klasse
1959 Glückstadt I Bezirksmeister A-Klasse